Nicht gesucht. Trotzdem gefunden.
Als wir nach Castrop zogen, fehlte mir etwas.
Nicht das fertige Haus – das natürlich auch. Aber das meine ich nicht.
Ich meine auch nicht das Fotografieren, das Basteln oder all die anderen Dinge, mit denen ich mich gern beschäftige.
Nein.
Mir fehlte etwas anderes.
Mein Mann ist da.
Mein Sohn.
Meine Tochter.
Tolle Nachbarn.
Eigentlich ist alles da.
Und wenn ich an unsere Zeit in Hombruch denke, habe ich hier sogar mehr soziale Kontakte als früher.
Trotzdem fehlte etwas.
Heute weiß ich endlich, was es war. Ich glaube zumindest, dass ich es weiss.
Unser Innenhof war früher eher eine Müllhalde als ein Garten. Inzwischen blühen dort Kräuter, Sedum, Weiderich und vieles mehr. Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten haben ihn längst für sich entdeckt.
Ich liebe es, ihnen zuzusehen.
Manche landen nur für einen kurzen Schluck Wasser. Andere wirken wie kleine Löschflugzeuge, die im Vorbeiflug auftanken und sofort weiterfliegen.
Da unsere Regentonnen noch nicht aufgebaut sind, stehen überall Eimer und Schalen mit Wasser.
Offenbar hat sich das inzwischen herumgesprochen. Nicht nur bei den Insekten.
Eine Freigängerkatze kommt inzwischen fast jeden Morgen und jeden Nachmittag vorbei.
Ich habe sie „Knickohr“ getauft. Wieso, das werdet Ihr noch bald selbst erkennen *grins*
Zuerst wird gewissenhaft die Wasserqualität geprüft. Und zwar ausnahmslos in jedem einzelnen Eimer. Ich bin inzwischen ziemlich sicher, dass sie Unterschiede schmeckt. Anders kann ich mir diese Qualitätskontrolle nicht erklären.
Erst danach holt sie sich ihre Streicheleinheiten ab.
Oder ich meine.
Denn ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wer von uns beiden diesen Besuch mehr genießt.
Wenn sie anschließend wieder geht, dann genauso, wie sie gekommen ist.
Ruhig.
Entspannt.
Fast majestätisch.
Ich weiß nicht, wo sie wohnt.
Ich weiß nicht, wem sie gehört.
Ich weiß nur, dass sie morgens und nachmittags ein kleines Stück Alltag mitbringt, von dem ich vorher gar nicht wusste, wie sehr es mir gefehlt hat.
Vielleicht war genau das die ganze Zeit das fehlende Puzzleteil.
Denn wenn ich zurückblicke, zieht sich das schon durch mein ganzes Leben.
Die wichtigsten Menschen, unsere Fellnasen und viele andere schöne Dinge habe ich nie geplant.
Sie sind einfach passiert.
Und vielleicht sind genau das die größten Geschenke.

